Moringa Wissenschaftliche Studien

Moringa oleifeira: Moringa Samen, Moringa Blätter und Moringa Blüten

Moringa olëifera: Eine Nahrungspflanze mit vielfachen medizinischen Anwendungen

Moringa olëifera Lam ist eine hochgeschätzte Pflanze, verbreitet in vielen tropischen und subtropischen Ländern. Sie hat eine beeindruckende Breite der medizinischen Anwendung und zugleich einen hohen Nährwert. Verschiedene Teile der Pflanze enthalten eine Palette von wichtigen Mineralien, und sie sind eine gute Quelle für Eiweiß, Vitamine, Betacarotin, Aminosäuren und verschiedene Phenole. Die Moringa- Pflanze bietet eine reiche und seltene Kombination von Zeatin, Quercetin, Betasitosterin, Chlorogensäure und Kaempferol. Außer der überzeugenden wasserklärenden Fähigkeit und dem hohen Nährwert hat M. olëifera eine große medizinische Bedeutung. Unterschiedliche Pflanzenteile wie Blätter, Wurzeln, Samen, Rinde, Früchte, Blüten und unreife Schoten wirken Herz-/Kreislauf-anregend, sie besitzen antitumor-, fiebersenkende, antiepileptische, entzündungshemmende, Magengeschwür-hemmende, krampfhemmende, entwässernde, blutdrucksenkende, cholesterinsenkende, antioxidative, blutzuckersenkende, leberschützende, antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften. Sie werden insbesondere im südasiatischen Raum vom einheimischen Medizinsystem zur Behandlung von verschiedenen Leiden eingesetzt.

Einführung

Moringa olëifera Lam (M. pterygosperma Gaertn.) ist eine der am besten bekannten, am weitesten verbreiteten und eingebürgerten Arten der monotypischen Familie Moringaceae.
Der Baum erreicht eine Höhe von 5 bis 10 m. Er ist wild zu finden und wird durchweg im Flachland angebaut, insbesondere von Hecken umgeben und in Hausgärten; er gedeiht am besten in tropischem Inselklima, und er fühlt sich besonders wohl im Sandbett von Bächen und Flüssen.
In feuchten tropischen oder heißen trockenen Landstrichen wächst er gut, er überlebt in kargen Böden und wird wenig von Dürre beeinträchtigt. Der Baum verträgt sehr unterschiedliche Regenmengen, geschätzt von 250 mm bis maximal über 3000 mm und einen pH von 5,0 bis 9,0.

Moringa olëifera, ursprünglich an den westlichen Himalaya-Ausläufern, in Indien, Pakistan, Kleinasien, Afrika und Arabien beheimatet, ist heutzutage auf den Philippinen, in Kambodscha Zentralamerika, Nord- und Südamerika und auf den Karibischen Inseln verbreitet. In manchen Teilen
der Welt heißt M. olëifera Trommelschlegelbaum oder Meerrettichbaum, während er in anderen als Kelor-Baum bekannt ist. Im Niltal trägt er den Namen „Shagara al Rauwaq“, was „Baum für die Reinigung“ bedeutet. In Pakistan ist er als „Sohanjna“ bekannt und wird landesweit angebaut.

Moringa olëifera ist ein wichtiges Nahrungsmittel, das eine enorme Beachtung als natürliche Ernährung der Tropen hatte. Die Blätter, Früchte, Blüten und unreife Schoten von diesem Baum werden als Gemüse mit hohem Nährwert in vielen Ländern benutzt, speziell in Indien, Pakistan, Philippinen, Hawaii und vielen Teilen von Afrika.
Von Moringablättern wird berichtet, eine reichhaltige Quelle von ß-Karotin, Eiweiß, Vitamin C, Kalzium und Kalium zu sein, und sie fungieren als gute Lieferant von natürlichen Antioxidantien; damit verlängern sie die Haltbarkeit von fetthaltigen Lebensmitteln, was durch die Anwesenheit von verschiedenen Arten antioxidativer Verbindungen wie Ascorbinsäure, Flavonoiden, Phenolen und Karotenoiden bedingt ist. Auf den Philippinen ist Moringa bekannt als „Mutters bester Freund“ wegen des Gebrauchs zur Steigerung der Muttermilchproduktion, und es wird manchmal gegen Blutarmut verschrieben.
Eine Reihe von medizinischen Eigenschaften wurden unterschiedlichen Teilen dieses hochgeschätzten Baumes zugeschrieben.
Fast alle Teile dieser Pflanze: Wurzel, Rinde, Harz, Blätter, Schoten, Blüten, Samen und Öl aus den Samen wurden für diverse Leiden in der Heilkunde der Eingeborenen in Süd-Asien benutzt, einschließlich der Behandlung von Entzündungen und Infektionskrankheiten sowie Herz-/Kreislauferkrankungen, Magen-/Darmerkrankungen, Bluterkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen.

Tabelle 1: Einige gebräuchliche medizinische Anwendungen bzw. Wirkungen der verschiedenen Teile des Moringabaumes:

Wurzel: gegen Steinbildung, durchblutungsfördernd, für Zugpflaster, gegen Blähungen, fruchtbarkeitssenkend, entzündungshemmend, stimulierend bei Lähmungen, Herz- und Kreislauf-stärkend, abführend, abtreibend, gegen Rheuma, gegen Gelenk- und Nierenschmerzen, Verstopfung.

Blätter: reinigend, für Umschläge bei Wunden, bei Kopfschmerzen, bei Hämorrhoiden, Halsschmerzen, Bronchitis, Augen- und Ohrinfektionen, Skorbut, Drüsenschwellungen, blutzuckersenkend.

Blüten: anregend, aphrodisierend, abtreibend, gallenflussfördernd, entzündungshemmend, bei Muskelerkrankungen, Hysterie, Tumoren, Milzvergrößerung, cholesterinsenkend.

Samen: gegen Arteriosklerose und Bluthochdruck.

Rinde: durchblutungsfördernd, für Zugpflaster, gegen Augenkrankheiten, für delirante Patienten, gegen Milzvergrößerung, tuberkulöse Nackenlymphknotenvergrößerung,
gegen Tumore und Geschwüre, Saft der Wurzelrinde gegen Ohrenschmerzen und Schmerzen bei Karies, bei Tuberkulose.

Harz: gegen Karies, adstringierend, durchblutungsfördernd, gemixt mit Sesamöl gegen Kopfschmerzen, Fieber, Magen-/Darmbeschwerden, Durchfall, Asthma, abtreibend, gegen Syphilis und Rheuma

Die Samen von Moringa werden als fieberhemmend, scharf, bitter betrachtet, und es wird über bakterienhemmende Eigenschaften berichtet. Die Samenkörner können frisch wie Erbsen konsumiert werden; oder gestampft, geröstet, oder werden gepresst zu einem süßen, nicht austrocknenden Öl, im Handel bekannt als „Ben-Öl“ von hoher Qualität.
Die einzigartige Eigenschaft ist die Fähigkeit des trockenen, zerdrückten Samens und des Presskuchens, der Polypeptide enthält, als natürliches Ausfällungsmittel zur Wasserbehandlung zu dienen.
Bis jetzt gab es noch keine umfassende Literatur-Übersicht, die die Wirksamkeit dieser Pflanze in allen Dimensionen erfasst. Ihre vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten als Medizin, zweckmäßiges und heilendes Nahrungsmittel und das Wasser-reinigende Potential hat uns motiviert, eine Informationslücke auf diesem Gebiet auszufüllen und einen Übersichtsartikel zu schreiben über die medizinischen, pflanzenchemischen und arzneilichen Eigenschaften dieser Pflanze von hohem wirtschaftlichen Wert.

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Pflanzenchemie

Moringa olëifera ist reich an Verbindungen, die den Einfachzucker Rhamnose enthalten und eine
Ziemlich einzigartige Gruppe von Verbindungen, genannt Glukosinolate und Isothiocyanate.
Die Rinde des Stammes enthalt zwei Alkaloide, namentlich Moringin und Moringinin. Vanillin,
ß-Sitosterol, ß-Sitostenon, 4-Hydroxymellin und Oktakosanoinsäure wurden aus dem Stamm von
M. olëifera isoliert.
Das gereinigte Exsudat des Harzes von M. olëifera enthält L-Arabinose, -Galaktose, -Glucuronsäure und L-Rhamnose, -Mannose und -Xylose, während in einem homogenen Polysaccharid aus degradiertem Harz L-Galaktose, L-Glucuronsäure und -Mannose bei milder Hydrolyse des Harzes mit Säure gefunden wurde.
Die Blüten beinhalten neun Aminosäuren, Saccharose, D-Glucose, Spuren von Alkaloiden, Wachs, Quercetin, Kaempferat; die Asche ist reich an Kalium und Calcium. Von ihnen wird auch berichtet, sie enthalten einige Flavonoid-Farbstoffe wie Alkaloide, Kaempferol, Rhamnetin, Isoquercitrin und Kaempferitrin.
Die gegen Bluthochdruck wirksamen Verbindungen Thiocarbamat und Isothiocyanat-Glykoside sind aus der Acetatphase des Äthanolextraktes von Moringaschoten isoliert worden. Die Anwesenheit von Cytokininen konnte in der Frucht nachgewiesen werden. Ein neues O-Äthyl-4-(α−L-Rhamnosyloxy)benzylcarbamat ist zusammen mit sieben anderen bekannt bioaktiven Verbindungen
4(α-L-Rhamnosyloxy)-benzylisothiocyanat, Niazimicin, ß-Sitosterol-3-O-ß-D-Glucopyransid, Niazirin, ß-Sitosterol und Glycerol-1-(9-Octadecanoat) aus dem Äthanol-Extakt des Moringasamens isoliert worden.

Abbildung 1: Strukturen von ausgewählten pflanzenchemischen Stoffen aus Moringa

In letzter Zeit richtete sich das Interesse auf die Isolation von Hormonen bzw. Wachstumsstoffen aus den Blättern von M. olëifera.
Die Knöllchenbildung der Urdbohne (Vigna mungo L.) nimmt kräftig zu unter der Anwendung eines wässrig-alkoholischen Extraktes von Moringablättern, obwohl die Natur des aktiven Inhaltsstoffes noch unbekannt ist. Moringablätter fungieren als gute Quelle von natürlichen Antioxidantien, beruhend auf dem Vorhandensein von verschiedenen antioxidativer Verbindungen wie Ascorbinsäure, Flavonoide, Phenolen und Karotinoiden. Die hohe Konzentration von Ascorbinsäure, oestrogenen Substanzen und ß-Sitosterol, Eisen, Calcium, Phosphor, Kupfer, Vitaminen A, B, C,
-Tocopherol, Riboflavin, Nikotinsäure, Folsäure, Pyridoxin,ß-Karotin, Eiweiß und im Besonderen essentiellen Aminosäuren wie Methionin, Cystin, Tryptophan und Lysin, die in Moringablättern und Schoten vorkommet, macht es schlechterdings zu einer idealen Nahrungsergänzung.
Die Zusammensetzung der Sterine im Moringasamen-Öl besteht hauptsächlich aus Campesterol, Sigmasterol, ß-Sitosterol, 5 -Avenasterol und Clerosterol begleitet von geringen Mengen 24-Methylencholesterin, 7 -Campestanol, Stigmastanol und 28-Isoavenasterol.
Die Sterin-Zusammensetzung der größeren Fraktion des Moringasamen-Öls unterscheidet sich deutlich von der der meisten konventionellen Speiseöle. Die Fettsäurezusammensetzung von Moringasamen-Öl zeigt, dass es in die Kategorie der Öle mit hohem Ölsäureanteil fällt (C18:1,
67,9%-76%). Von den anders zusammengesetzten Fettsäuren sind von Bedeutung: C16:0 (6,04%-7,8%), C18:0 (4,14%-7,6%), C20:0 (2,76%-4%) und C22:0 (5%-6,73%).
M. olëifera ist zudem eine gute Quelle für Tokopherole (−− −); die Konzentration dieser beträgt
98,82-134,42, 27,9-93,7 bzw. 48-71,16 mg/kg.

Tabelle 2: Sterin-Zusammensetzung (g/100 g Fettsäuren) im Moringa-Öl

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Medizinische Anwendung und pharmakologische Eigenschaften

Moringa olëifera wird auch vielfach in der Medizin angewendet, schon lange in der ayurvedischen und Unani-Medizin. Die medizinischen und pharmakologischen Eigenschaften, die unterschiedlichen Teilen der Pflanze zugeschrieben werden, sind detailliert in Tabelle 1 dargestellt.

Antihypertensive, diuretische und Cholesterin-senkende Eigenschaften:

Die weitverbreitete Kombination von diuretischen mit fett- und blutdrucksenkenden Bestandteilen macht diese Pflanze sehr nützlich bei Herz-/Kreislauferkrankungen. Saft aus Moringablättern ist dafür bekannt, einen Blutdruck-stabilisierenden Effekt zu haben. Aus Moringablättern wurden Nitril, Senfölglykoside und Thiocarbamatglykoside isoliert, die für den blutdrucksenkenden Effekt verantwortlich waren. Die meisten dieser Verbindungen, die Thiocarbamat-, Carbamat- oder Nitril-Gruppen tragen, sind voll acetylierte Glykoside, die in der Natur selten vorkommen. Die Bioassay-gesteuerte Fraktionierung des aktiven Äthanol-Extraktes aus Moringablättern führte zur Isolation von vier reinen Verbindungen, Niazinin A, Niazinin B, Niazimicin und Niazinin A+B, die blutdrucksenkende Effekte bei Ratten zeigten, möglicherweise durch eine Calcium-antagonistische Wirkung.
Eine andere Studie zu alkoholischen oder wässrigen Extrakten der ganzen Schoten und ihrer Teile, z.B. Hülle, Mark und Samen, ergaben, dass der blutdrucksenkende Effekt der Samen stärker ausgeprägt war sowohl bei vergleichbaren Resultaten in Alkohol- als auch Wasser-Auszügen, was zeigt, dass die Eigenschaft weit verbreitet ist. Aktivitäts-gerichtete Fraktionierung des Alkohol-Extraktes aus den Schoten von Moringa führte zur Isolation von Thiocarbamat und Isothiocyanat, die als blutsenkenden Prinzipien bekannt sind. Methyl-p-hydroxybenzoat und ß-Sitosterol, die in den Moringa-Schoten untersucht wurden, wiesen ebenso vielversprechende blutsenkende Aktivität auf.
Moringawurzeln, -blätter, -blüten, -harz und der wässrige Aufguss der Samen besitzen eine harntreibende Wirkung, und solche diuretischen Komponenten spielen wahrscheinlich eine ergänzende Rolle bei dem Gesamteffekt dieser Pflanze auf die Blutdrucksenkung.
Der unverarbeitete Extrakt aus Moringablättern hat einen signifikanten cholesterinsenkenden Effekt
im Serum von Ratten unter fettreicher Diät, was dem Vorhandensein eines bioaktiven Pflanzenbestandteils zugerechnet werden könnte, z.B. ß-Sitosterol.
Die Moringaschoten erniedrigen das Serumcholesterin, die Phospholipide, Triglyceride, LDL, VLDL, das Verhältnis Cholesterin/Phospholipid, den atherogenen Index und senken das Lipid-Profil in Leber, Herz und Aorta bei hypercholesterinämischen Kaninchen, und sie erhöhten die Ausscheidung von Cholesterin im Stuhl.

Krampf- und Geschwür-vermindernde sowie leberschützende Wirkungen:

Moringawurzeln besitzen eine krampflösende Wirkung. Moringablätter sind ausgiebig pharmakologisch untersucht worden, und man fand, dass der Äthanolextrakt und seine Bestandteile eine krampflösende Wirkung wahrscheinlich durch eine Calcium-Kanal-Blockade bewirken.
Die krampflösende Wirkung des Äthanolextraktes aus Moringablättern wird auf die Anwesenheit von
4-{α−(L-Rhamnosyloxybenzyl}-o-Methylthiocarbamat (trans) zurückgeführt, was die Grundlage für den traditionellen Einsatz bei Durchfall darstellt. Darüber hinaus liefert die krampflösende Wirkung, die Verschiedene Komponenten aufweisen, die pharmakologische Basis für die traditionelle Anwendung dieser Pflanze bei gastrointestinalen Motilitätsstörungen.
Die Methanol-Fraktion des Blattextraktes zeigte Magen- und Leber-schützende Effekte bei Ratten. Ebenso hatten wässrige Blattextrakte Schutz vor Magengeschwüren, was anzeigt, dass die magenschützende Komponente in der Pflanze weit verbreitet ist. Moringawurzeln haben auch eine leberschützende Wirkung. Die alkoholischen und wässrigen Extrakte aus den Moringablüten haben genauso eine leberschützende Wirkung, die auf der Anwesenheit von Quercitin, einem wohlbekannten Flavonoid mit leberschützender Aktivität, beruht.

Antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften

Moringawurzeln haben eine antibakterielle Wirkung und sie sollen viele antimikrobielle Agentien enthalten. Diese haben als aktives antibiotisches Prinzip Pterygospermin, welches starke antibakterielle und pilzhemmende Effekte hat. Eine ähnliche Verbindung wurde verantwotlich gemacht für die antibakteriellen und pilzhemmenden Effekte der Blüten. Der Wurzelextrakt besitzt genauso eine antimikrobielle Aktivität, zurückführbar auf die Präsenz von 4-α−L-Rhamnosyloxybenzyl-Isothiocyanat. Das Aglykon von Desoxyniazimicin (N-Benzyl, S-Äthylthioformat), isoliert aus der Chloroform-Fraktion eines Äthanol-Extraktes aus der Wurzelrinde, ist verantwortlich für die antibakterielle und pilzhemmende Aktivität. Der Rindenextrakt besitzt eine pilzhemmende Wirkung, während der Saft der Stammrinde antibakterielle Wirkung gegen Staphylococcus aureus hat. Der frische Blättersaft hemmt das Wachstum von Mikroorganismen (Pseudomonas aeruginosa und Staph. aureus), beide pathogen für Menschen.

Tumor- und Krebs-hemmende Aktivitäten

Makonnen et al. (1997) fanden, dass Moringablätter eine potentielle Quelle einer Tumorhemmung sind. O-Äthyl-4-(-L-Rhamnosyloxy)benzylcarbamat zusammen mit 4-(-L-Rhamnosyloxy)benzylIsothiocyanat, Niazimicin und 3-O-(6‘-O-oleoyl-ß-D-Glukopyranosyl)-ß-Sitosterol wurden auf ihre potentielle Krebshemmung-fördernde Wirkung mittels eines in vitro Assays getestet, wobei signifikante Hemmeffekte auf das frühe Epstein-Barr-Virus-Antigen gezeigt wurden. Niazimicin wurde als potentes Chemoprotektivum chemisch ausgelöster Krebsentstehung vorgeschlagen.
Bei den Samen-Extrakten wurde ebenso festgestellt, dass sie Effekte haben auf die Enzyme, die Leberkrebs-auslösende Substanzen verstoffwechseln, auf antioxidative Parameter sowie auf die Hautpapillomentstehung bei Mäusen. Eine Salbe aus den Samen hatte einen ähnlichen Effekt auf eine Staph. aureus-Pyodermie wie Neomycin bei Mäusen.
Niaziminin, ein Thiocarbamat aus den Moringablättern, zeigt eine Hemmung der tumor-promoter-induced Eppstein-Barr-Virus Aktivierung. Andererseits hemmte von den Isothiocyanaten das natürlich vorkommende 4-{(4‘-O-acetyl- -i-rhamnosyloxy)Benzyl} signifikant die tumor-promoter-induced Eppstein-Barr-Virus Aktivierung, was vermuten lässt, dass die Isothiocyano-Gruppe ein entscheidender struktureller Faktor für die Aktivität ist.

Verschiedene andere Aktivitäten

Es wird auch über diverse andere Wirkungen von Moringa olëifera berichtet. Wässriger Blattextrakt reguliert das Schilddrüsenhormon und kann zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt werden; zudem weist es einen antioxidativen Effekt auf. Ein Methanol-Extrakt der Moringablätter gewährte signifikanten Strahlenschutz für die Knochenmarkschromosomen bei Mäusen.
Eine vor kurzem veröffentlichte Arbeit zeigte, dass Moringablätter als prophylaktisches oder therapeutisches Mittel gegen das Herpes-simplex- Virus Typ 1 angewendet werden können und dass sie gegen die Aciclovir®-resistente Variante wirksam sein können. Die Tabelle 1 bildet einige gebräuchliche medizinische Anwendungsbereiche verschiedener Teile dieser Pflanze ab.
Die Blüten und Blätter gelten als wertvolle Antihelminthika. Eine Infusion von Blattsaft senkte den Blutzucker bei Kaninchen.
Auf Grund wissenschaftlicher Nachweise, dass es eine wichtige Quelle für natürlich vorkommende Phytochemikalien ist, kommt Moringa olëifera in die vorderste Reihe als Basis für in Zukunft realisierbare Entwicklungen.
Verschiedene Teile von M. olëifera sind schon eingearbeitet in mehreren auf dem Markt befindlichen Gesundheitsprodukten wie z.B. Rumalaya und Septilin (the Himalaya Drug Company, Bangalore,
India), Orthoherb (Walter Bushnell Ltd, Mumbai, India), Kupid Fort (Pharma Products Pvt. Ltd, Thayavur, India) and Livospin (Herbals APS Pvt. Ltd, Patna, India), die bekanntlich als Mittel für eine Reihe von Gesundheitsstörungen erhältlich sind.
Moringasamen enthält spezifische Eiweißfraktionen für Haut- und Haarpflege. Zwei neue, aktive Komponenten für die kosmetische Industrie wurden aus dem Ölpresskuchen extrahiert. Purisoft® besteht aus Peptiden aus dem Moringasamen. Es schützt die menschliche Haut vor Umwelteinflüssen und bekämpft vorzeitige Hautalterung. Mit seiner doppelten Wirkung, nämlich umweltschonend und haarkräftigend, ist der Extrakt aus Moringasamen eine global akzeptable innovative Lösung für die Haarpflege.

Wasserklärende Eigenschaften von Moringasamen

Moringasamen als Koagulans

Moringasamen sind eines der besten natürlichen Koagulantien, die bis jetzt entdeckt wurden.
Zerdrückte Samen sind ein brauchbarer Ersatz für synthetische Koagulantien. Im Sudan wird der Extrakt aus rohen Samen anstatt Aluminium von den Landfrauen benutzt, um stark getrübtes Nilwasser zu behandeln, begründet durch die traditionelle Angst vor Aluminium, das Magen-/Darmstörungen macht sowie die Alzheimer-Demenz.
Moringasamen sind sehr effektiv bei stark getrübtem Wasser und zeigt eine ähnlich ausfällende Wirkung wie Aluminium. Die koagulierende Wirksamkeit von Moringa variiert abhängig von der initialen Trübung, und es wurde berichtet, dass Moringa die Trübung um 92%-99% reduzieren kann.
Moringasamen hat darüber hinaus weichmachende Eigenschaften und zusätzlich ist ein pH-Corrigens
(Reduktion der Alkalität). Auch bietet es eine natürliche Pufferkapazität, mit der man mäßig alkalische Böden und Grundwasser behandeln könnte. Moringasamen können auch als Antiseptikum bei der Trinkwasseraufbereitung benutzt werden.
Die aktuelle Forschung versucht, die koagulierenden Komponenten des Moringasamens zu charakterisieren und rein darzustellen. Man glaubt, der Samen sei ein natürliches organisches Polymer. Die aktiven Bestandteile sind dimere Proteine mit einem Molekulargewicht von von ungefähr 1300 Dalton und einem isoelektrischen Punkt zwischen 10 und 11. Das Eiweißpulver ist stabil und vollständig in Wasser löslich.
Das koagulierende Protein aus Moringa kann mit Wasser oder Salzlösung extrahiert werden. Die Menge und Effektivität des koagulierenden Proteins aus dem Salzlösungs-Extrakt variiert erheblich.
In roher Form zeigt der Salzextrakt eine bessere koagulierende Wirkung als der entsprechende wässrige Extrakt. Dies kann durch eine größere Menge des löslichen Proteins als Folge des Einsalzeffektes (Anstieg der Wasserlöslichkeit bei Zugabe von Salzen; Anm. des Übersetzers) sein.
Allerdings dürfte die Reindarstellung des koagulierenden Proteins aus dem rohen Salzextrakt technisch und wirtschaftlich nicht realisierbar sein.
Der Koagulations-Mechanismus des koagulierenden Proteins aus Moringa wurde auf verschiedene Weisen erklärt: Es wurde als Adsorption und Ladungsneutralisierung beschrieben und als Brückenbildung zwischen den Partikeln. Die Ausflockung durch Brückenbildung zwischen Partikeln ist hauptsächlich charakteristisch für hochmolekulare Polyelektrolyte. Auf Grund der geringen Größe des koagulierenden Moringa-Proteins (6,5-13 kDa) kann ein Brückenbildungseffekt nicht als der wahrscheinliche Koagulations-Mechanismus angesehen werden. Die hohe positive Ladung
(pI über 10) und die geringe Größe lässt vermuten, dass die hauptsächlichen destabilisierenden Mechanismen Adsorption und Ladungsneutralisation sein können.

Elimination von Mikroben mit Moringasamen

Moringasamen besitzt auch antimikrobielle Eigenschaften. Broin et al. berichteten, dass rekombinantes Protein in dem Samen Gram-positive und Gram-negative Bakterienzellen ausflocken kann. In diesem Fall können die Mikroorganismen genauso durch Ausfällen entfernt werden wie bei der Entfernung von Kolloiden in korrekt koaguliertem und ausgeflockten Wasser. Andererseits können die Samen direkt auf die Mikroorganismen einwirken und eine Wachstumshemmung hervorrufen. Antimikrobielle Peptide wirken vermutlich durch Zerreißen der Membran oder durch Hemmung essentieller Enzyme. Sutherland et al. berichteten, dass Moringasamen die Replikation von Bakteriophagen hemmen können. Die antimikrobiellen Effekte der Samen werden auf die Verbindung 4-(α-L-Rhamnosyloxy)Benzylisothiocyanat zurückgeführt.

Moringasamen als Biosorbent

Moringasamen können als billiges Biosorbent zur Entfernung von Cadmium aus wässrigen Medien benutzt werden. Die wässrige Lösung von Moringasamen ist eine heterogene, komplexe Mixtur mit verschiedenen funktionellen Gruppen, in der Hauptsache organische Säuren mit niedrigem Molekulargewicht (Aminosäuren). Man hat herausgefunden, dass diese Aminosäuren eine physiologisch aktive Gruppe bilden, die sogar bei geringen Konzentrationen wirken, welche wegen der Fähigkeit, mit Metall-Ionen zu interagieren, wahrscheinlich die Adsorption von Metall-Ionen steigert. Die Eiweiß-Aminosäuren haben eine Vielzahl von strukturbezogenen, pH-abhängigen Eigenschaften, die eine negativ geladene Umgebung erzeugen und wichtige Rolle spielen bei der Bindung von Metallen.

Ausblick

Bislang wurden zahlreiche Studien mit verschiedenen Teilen von Moringa olëifera durchgeführt, jedoch ist es dringend notwendig, neue Verbindungen aus unterschiedlichen Teilen des Moringabaumes zu isolieren und zu identifizieren, die mögliche Antitumor-Stoffe oder Inhibierende Eigenschaften haben. Obwohl Vorstudien in verschiedenen Laboren laufen, um krampflösende, entzündungshemmende, blutdrucksenkende und diuretische Eigenschaften von M. olëifera zu nutzen, sollten diese Studien im Hinblick auf die Essbarkeit der Pflanze auch den Menschen einbeziehen. Moringawurzeln und -blätter wurden traditionell zur Behandlung von Verstopfung eingesetzt. Studien zur Bestätigung dieses Anspruchs müssen im Licht der berichteten krampflösenden Eigenschaften durchgeführt werden, die im Gegensatz stehen zu der medizinischen Anwendung von Moringa als Darm-Motilitäts-Stimulans. Frühere Studien zur Existenz einer Kombination von krampfauslösenden und entkrampfenden Bestandteilen in verschiedenen Pflanzen, die gegen Verstopfung eingesetzt wurden, könnten dahin führen, Experimente zu planen, in denen das Vorkommen höherer Dosen krampflösender Inhaltsstoffe erklärt werden als eine mögliche Verfahrensweise, um Nebenwirkungen auszugleichen, die normalerweise mit hohen Dosen von Abführmitteln verknüpft sind. Gleichermaßen können die bekannten Spezies-Unterschiede in der pharmakologischen Wirkung von Medizinal-Pflanzen in Betracht gezogen werden, wenn man Studien plant, die widersprüchliche Resultate einbeziehen.
Nahrungspflanzen hält man für relativ sicher, zumal sie wahrscheinlich synergistische und/oder Nebenwirkungs-neutralisierende Kombinationen von Eigenschaften beinhalten.
Moringa, von dem bekannt ist, dass es reich ist an vielen medizinisch wirksamen Chemikalien, kann ein guter Kandidat sein, um zu untersuchen, ob es Effekt-verstärkende oder/und Nebenwirkungs-neutralisierende Kombinationen enthält. Medizinische Pflanzen enthalten relativ viel Calcium-Kanal-Blocker, die bekanntermaßen ein breites Spektrum an pharmakologischen Wirkungen besitzen, wie
antihypertensive, leberschützende, magenschützende, antiasthmatische, krampflösende und stopfende. Es bleibt abzuwarten, ob von solchen Eigenschaften, die in Moringa enthalten sind, eine direkte Beziehung zum Vorkommen von Calcium-Kanal-Blockern haben, berichtet wird.
Niazimicin, ein potenter „antitumor-promoter“ in der chemischen Karzinogenese, ist in den Samen enthalten. Sein Hemm-Mechanismus auf das Tumorwachstum kann durch Isolation von mehr Reinproben erforscht werden. Der Wirkmechanismus von Moringa als Prophylaktikum oder Therapeutikum gegen Herpes-simplex-Virus-Infektionen muss auch noch untersucht werden.
Der Informationsstand über den Gehalt an α−, ß- und γ−Tokopherol in Proben von verschiedenen Teilen dieser essbaren Pflanze ist sehr begrenzt. ß-Karotin und Vitamin A und C, die in Moringa vorkommen, dienen zur Erklärung für ihren Wirkmechanismus bei der Induktion von Antioxidantien-Profilen, jedoch muss der exakte Mechanismus noch aufgeklärt werden. Das ß-Karotin von Moringablättern übt eine signifikantere protektive Wirkung aus als Silymarin gegen die Tuberkulostatika-Toxizität. Es wäre interessant, festzustellen, ob es auch einen hepatoprotektiven Effekt gegen andere, gebräuchliche hepatotoxische Mittel wie CCl4 und Galaktosamin besitzt, welche als passendere Modelle gelten und der menschlichen Virushepatitis nahe verwandt.
Wenn Moringa auch als beste Proteinquelle gilt, muss immer noch nachgewiesen werden, ob diese Proteinquelle mit den gebräuchlicheren Proteinquellen konkurrieren kann oder nicht bei rasch wachsenden oder Milch-produzierenden Wiederkäuern.
Viele Studien wurden durchgeführt zu der Eignung von Moringasamen als alternatives Koagulans, Koagulations-Hilfsmittel und in Verbindung mit Aluminium zur Klärung von Abwasser.
Daher ist es wichtig, die aktiven Bestandteile von Moringasamen zu identifizieren, um den Koagulationsmechanismus besser zu verstehen. Arbeiten zu den antimikrobiellen Effekten der aus Moringa gewonnenen Proteinen sind sehr selten.
Da diese Pflanze in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommt, ist es naiv, eine große Variation der Konzentration und Komposition der chemischen Ingredienzien in verschiedenen Pflanzenteilen zu erwarten.
Dennoch, das Ausmaß, in dem die chemische Zusammensetzung bei Populationen variiert, die sich an unterschiedliche Habitate angepasst haben, ist nicht bekannt. Somit sind detaillierte Studien erforderlich, diesen Aspekt zu untersuchen.
Im Hinblick auf seine vielfältige Verwendung bedarf M. olëifera eines verbreiteten Anbaus in den meisten Regionen, wo die klimatischen Bedingungen optimale Wachstumsbedingungen begünstigen. Auf diesem Wege könnte ein maximaler Ertrag von allen verschiedenen verwertbaren Teilen erreicht werden, um daraus die größtmögliche Menge an Rohstoff für das Wohlergehen der Menschheit zu gewinnen.

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 Literatur: in der Originalarbeit:

PHYTOTHERAPY RESEARCH
Phytother. Res. 21, 17–25 (2007)
Published online 6 November 2006 in Wiley InterScience
(www.interscience.wiley.com) DOI: 10.1002/ptr.2023

oder beim Übersetzer

Übersetzung: Dr. med. Peter Bucher; drpbucher@t-online.de

Mark Weiland

Mark Weiland ist veganer Rohköstler, Experte für Entgiftung und Rohkost, hat Medizin studiert und eine Ausbildung zum Ernährungsberater genossen. Er ist Filmproduzent für alles, was mit Ernährung, Gesundheit und Naturverbundenheit zu tun hat.
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